L'Histoire Délicate / Eine feinsinnige Geschichte

– Vom Saucendieb zur Cuisinière. –

 

Schon als Kind liebte ich den unverfälschten Geschmack von tagesfrisch gepresstem Apfelmost, den Duft von Sonntagsbraten im ganzen Haus, das kratzige Gefühl einer exotischen Litschi-Schale, das Geräusch krachenden Zwiebacks zwischen meinen Zähnen und den Anblick einer prall gefüllten Plätzchendose.

Es liegt eine lange Geschichte hinter L’Esprit Délicat. Eine, die mit der Zeit länger, durch ihre Kapitel interessanter und dank ihrer Protagonisten immer reicher wurde. Sie spannt den Bogen von ersten Kindheitserinnerungen bis ins Jetzt, das alle meine Sinne mit einem kleinen bisschen Stolz über das, was Heute ist und Morgen vielleicht noch sein kann, erfüllt. Es ist eine Geschichte von Leben und Wandel, Wurzel und Werk, Veränderung und Mut, Starrsinn und Feinsinn. Und das Schönste ist, dass sie sich täglich verändert und noch lange nicht ihr Ende offenbart.

L'esprit Délicat L'Histoire Geschichte Topf 300 dpi

Les Racines de L’Esprit Délicat: Von Anfang an

Vielleicht begann alles mit dem ersten dampfenden Teller, der mir als Kind vorgesetzt wurde. Was sich darauf befand, kann ich nicht mehr benennen, aber es muss köstlich gewesen sein.

Als stolzer Obst- und Gemüsehändler sowie Pächter einer Obstplantage weckte mein Großvater in mir schon früh das Interesse an der Welt heimischer und exotischer Früchte und lehrte mich deren Wertschätzung. Meine Eltern hingegen bemühten sich seinerzeit um die Anerziehung einer Ess- und Tischkultur. Gemeinsame Mahlzeiten waren wichtig, auch wenn, oder vielleicht gerade weil, mein Vater unter der Woche nur selten zum Abendessen zurück war. Dafür waren die Wochenenden umso wichtiger. Dann wurde viel und aufwendig gekocht. Mühsam wurden Markklößchen hergestellt, Rindersuppen aufgesetzt, Knödelteige vorbereitet, Braten simmerten stundenlang vor sich hin. Wenn es dann endlich Abend wurde, durften wir Kinder bei den letzten Vorbereitungen mithelfen – vom Tischdecken über die Getränkeauswahl bis zum Rollen der Knödel.

Wir waren eifrige Küchenhelfer und ich kann mich entsinnen, dass der größte Teil meines Enthusiasmus darin lag, genauso gut zu werden wie mein knapp fünf Jahre älterer Bruder. Meine erste Aufgabe in der Küche war die – so stelle ich heute mit einem Rest von kindlichem Stolz fest – verantwortlichste Position: ich war Saucier! Offiziell im Fachgebiet Salatsauce und inoffiziell auch im Fachgebiet Bratensauce.

Unter kundiger Anleitung lernte ich Salatsaucen anzurühren, um deren letzten, nach dem Essen in der Salatschüssel verbliebenen Rest ich mich später stets mit meinem Bruder erbittert stritt. Meine Vorliebe für Bratensaucen, welche ich im Laufe des Sonntagsnachmittags immer wieder probierte, um ihren Eindickungs- und Aromagrad zu kontrollieren, musste ich vorerst jedoch strikt geheim halten, um dabei nicht eiskalt erwischt und in Saucen-Verbannungshaft geschickt zu werden. Ich glaube, meine Eltern wissen bis heute nicht, dass die Saucen dieser Jahre selten wirklich nur einreduzierten, sondern meistens einfach wegprobiert wurden.

Seit diesem ersten Posten in der Familienküche sind viele Jahre vergangen und dank meiner Kreativität habe ich unfassbar viele absurde Kochphasen durchlebt. Der erste Abnabelungsprozess vom gemeinschaftlichen Familienkochen war experimenteller Natur. Ich führte exzessive Feldstudien über das Dünsten von Salatköpfen aus unserem Garten und stellte fest, dass leider niemand diese kosten wollte. Denn das zu Tode gedünstete Gemüse konnte weder mit seiner blassen Farbe noch mit dem leblosen Geschmack überzeugen. In den darauf folgenden Jahren entdeckte ich dann die große Welt der Aromen für mich. Auch an die einfachsten Gerichte gab ich gerne eine Vielzahl verschiedener Gewürze um neue Geschmackserlebnisse zu erfahren. Zu Spitzenzeiten waren mir selbst 30 unterschiedliche Gewürze nicht exotisch genug.

Wie so Vieles im Leben war das Entwickeln eines eigenen Geschmacks ein einziges Auf und Ab, ein Herantasten, Beurteilen, Abwenden, Bessermachen, Neuversuchen. Nur eines war stets sicher: dass mich das Kochen und Genießen weiterhin begleiten würde. Denn meine Freude an Lebensmitteln, ihre Gerüche und Haptik, die Vielfalt an Formen und Geschmäckern ließ mich zu keinem Zeitpunkt los.

Meine berufliche Laufbahn schlug derweil jedoch eine ganz andere Richtung ein und ich arbeitete viele Jahre im Bereich Kommunikation und Werbung, zuletzt einige Jahre als Freiberuflerin. Während die unbekannten und deshalb so spannenden Ecken dieser Branche mit zunehmender Erfahrung kleiner wurden, die Herausforderungen meist nicht mehr qualitativer, sondern nur noch quantitativer Natur waren, wuchs in mir immer mehr der Wunsch nach Veränderung. Ich besann mich zurück auf die Dinge, die mich seit frühester Kindheit glücklich gemacht hatten.

Als ich vor 3 Jahren aufbrach, um meinen neuen Weg zu finden, wusste ich noch nicht, dass der Weg so wahnsinnig neu gar nicht sein würde. Denn eine Familie, in der sich viele Berufe um Lebensmittel, um das Anbauen, Kochen und Backen sowie Beliefern drehten, hinterlässt Spuren. Ich habe meine Wurzeln wiedergefunden. Und nun schlagen sie neue Triebe.

L'esprit Délicat Culture Kultur Dampfteller

 

L’Esprit Délicat aujourd’hui: Vom Glück des Feinsinns

Le bonheur est dans la cuisine. (Vielen Dank, verehrter Monsieur Paul Bocuse, für diese richtungsweisende Wahrheit.)

2012 erfüllte ich mir einen großen Traum: am Institut Paul Bocuse in Lyon erlernte ich die elementaren Grundlagen und Techniken der französischen Küche. Zusammen mit 9 weiteren ambitionierten Köchen prüften wir die Geduldsfäden unseres fantastischen Chef de Cuisine, lernten die Kniffe vom Chef de Pâtisserie und tanzten mit dem Chef de Boulangerie durch die Mehlwolken der Bäckerstube. Was als großes Abenteuer begann, ließ mich meine Liebe für die Küche, das Feuer, gute Lebensmittel, Tisch- und Esskultur selbst inmitten ungewohnt anstrengender Tage und laut “Allez! Allez! Allez!” brüllender Chefs nicht verlieren.

Vielmehr bestätigte mich die Zeit in Frankreich in meinem weiteren Werdegang und ließ Ideen in meinem Kopf wachsen. Die Wochen der Nonstop Haute Cuisine justierten meine Sinne endgültig in Feinmessbereiche und schufen neue Nuancen auf meiner Geschmacksskala.

Was zuvor mit der Aussicht auf eine kulinarisch spannende Zeit in Lyon als kleiner Foodblog begonnen hatte, nahm derweil schnell mehr Raum in meinem Leben ein. Ursprünglich als Medium für Berichte meines privaten Supper Clubs angedacht, den ich für Freunde ins Leben gerufen hatte um mich auf Lyon vorzubereiten, entwickelte Genuss sucht – Die Welt in allen Sinnen www.genuss-sucht.de schnell Eigendynamik. Meine Leidenschaft fürs Schreiben wandelte immer mehr Themen in neue Artikel und meine Neugier trieb mich immer weiter voran.

Das Kreieren neuer Rezepte, das Kochen und Anrichten verführerischer Tellerpräsentationen, die Fotografie, der ästhetische Anspruch sowie das Interesse an der Herkunft vieler Lieblingsprodukte verbanden sich zu einem großen Ganzen, dessen Vielschichtigkeit mich immer mehr in seinen Bann zog.

Völlig unerwartet wuchs auch die Begeisterung an der geschmacklichen Vielfalt des Weins über ihr ursprüngliches Ziel hinaus. In vergleichsweise kurzer und umso intensiverer Lernzeit erweiterte ich meine Wein-Basiskenntnisse um professionelles Hintergrundwissen des Wine & Spirit Education Trust (WSET). Den Quereinstieg in diese bislang völlig fremde Welt besiegelte ich zuletzt mit dem Award in Wines & Spirits, den ich mit Auszeichnung bestand.

Seit 2013 folge ich nun mit L’Esprit Délicat konsequent dem Wunsch, mich dem gesamten Universum der sensorischen Wahrnehmung zu widmen. Die Grenzen dieser kulinarischen Welt reichen soweit meine Sinne verstehen können.

L'Esprit Délicat_C'est_moi_300dpi C’est moi – Stefanie